Star-Keyboarder Interview: Tobi Reiss
by Yamaha MotifNewsGuide 01/08

„Der moderne Weg ins Showgeschäft geht vom Friseur gleich rüber zum Piercing und dann direkt zur Castingshow, wo man, wie die anderen frischrasierten Ziegenbärtchen, auf Karriere hofft. Aber oft sind die singenden Vornamen nach wenigen Wochen nicht mehr aktuell und bald schon aus dem Pophimmel gefallen.
In der Beziehung ist Tobi Reiss extrem altmodisch. Seit seinem dritten Lebensjahr spielt er Piano. Erst klassisch, dann Rock&Roll, Pop und R&B. Dr. John wird sein Leibarzt, die Neville Brothers, die Beatles, Elton John und Steely Dan seine Gesangslehrer… Es kam, wie es kommen musste, Tobi wurde schnell hochgelobter Pianist und Sänger maßgeblicher Formationen im Musikdreieck Mannheim, Heidelberg, Karlsruhe. Heute kann er auf Tourneen zurückblicken, die er als Pianist/Sänger oder gar als musikalischer Leiter durch ganz Europa unternommen hat. (u.a. Laith Al Deen, Klaus Lage, Greedy Bunch, Paul Young). An musikalischen Anregungen und Kontakten zu wunderbaren Mitspielern hat es also nicht gemangelt, als Tobi Reiss sich 2006 entschloss, sein erstes Soloalbum aufzunehmen. Entstanden ist „PLAY!” ein Sammlung erdiger, lebendiger Aufnahmen von sorgsam ausgewählten Eigenkompositionen. Hochklassige, kongeniale Musiker ermöglichen viele „First Takes” denen Könnerschaft und Spielfreude anzumerken ist. Geleitet und unterstützt von seinem Producer Tommy Baldu, entstand ein Album, das für sich selbst spricht. Viel Vergnügen damit!“
Tobi, in Deiner beeindruckenden musikalischen Biographie finde ich zwei Dinge bemerkungswert und gerade für die Leserschaft des Motif News Guides interessant. Du hast schon seit Deinem 4. Lebensjahr Klavierunterrricht gehabt. Und Du hast mehrere Jahre in Coverbands gespielt – wie viele unserer Leser auch. Wie kam es zu Deiner „zweiten Karriere“, die Dich schließlich zu Laithal- Deen führte?
Eine Zeit lang habe ich mich immer wieder mal auf hiesigen Sessions blicken lassen und so viele Leute kennengelernt. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß man am überzeugendsten ist, wenn man daran festhält, so zu spielen, daß man sich selbst damit identifizieren kann. So viele junge Musiker (und leider die alten noch mehr) verbiegen sich und rennen Trends hinterher, um immer “auf der Höhe der Zeit” zu sein oder um so zu spielen, wie es dem zu Überzeugenden vermeintlich gefällt. Oder kopieren gar andere.
Aber überzeugen kann man nur mit Identität. Ich liebe das Blues-Piano und habe es nie versteckt, auch heute nicht bei Laith Al-Deen. So habe ich mich immer der Zeit angepasst, ohne dieses Faible zu unterdrücken. Das ist mein Stil und der hat mich weiter gebracht, als wenn ich es immer irgendjemand recht machen wollte.
Zunächst habe ich Tommy Baldu (Ex-Laith Drummer) kennengelernt, der mich mit einer Gruppe von Leuten zusammengebracht hat, die eine Band gründen wollten. Da war u.a. auch Laith dabei. Daraus entstand „The Greedy Bunch“, eine Coverband, die keinen Song je orginal gespielt hat und gerade dadurch ziemlichen lokalen Erfolg erreicht hat. Daraus entstand auch die erste Liveband von Laith, nachdem er seinen ersten Plattenvertrag unterschrieben hatte.
Irgendwie gehört also auch immer etwas Glück dazu, aber ich habe festgestellt, daß es auch so immer wieder Möglichkeiten gibt, sich in “Szene” zu setzen. Wenn man das nicht falsch versteht und bei der Gelegenheit alles abfeuert, was man so drauf hat, sondern der Musik dienlich seinen möglichst souveränen Beitrag leistet, am besten noch mit etwas eigener und unverwechselbarer Note, dann ist man nicht weit von “guten” Jobs entfernt. Letztlich spiele ich sehr gerne mit Laith, weil er und die Band mich durch ihre Musikalität und beim Zusammenspiel sehr ansprechen. Ruhm und/oder Geld dürfen nie die Beweggründe sein.
Wollt ihr mehr über Tobi`s Eindrücke von der Tour 2007, das Zustandekommen von PLAY!, einer PLAY-Tour, seine Träume und Ziele erfahren?! Dann findet ihr hier das gesamte Interview – viel Spaß beim stöbern